Grußwort der Bürgermeisterin Dr. Susanne Eisenmann vom 4. Juli 2009

Sehr geehrte Frau O’Boyle,
sehr geehrte Frau Klein,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich grüße Sie ganz herzlich und wünsche Ihnen auch in meiner Abwesenheit einen guten Verlauf Ihrer Veranstaltung. Sehr gerne habe ich in diesem Jahr die Schirmherrschaft über Ihren Annual Charity Event übernommen.

Ab dem dritten Male sprechen wir von Tradition – Sie veranstalten heute bereits zum vierten Mal einen Empfang mit einer Tombola, deren Erlös der Stuttgarter Sektion des Vereins Frauen helfen Frauen e.V. zugute kommt. Der Verein Frauen helfen Frauen wiederum will die Sach- und Geldspenden für die Betreuung von traumatisierten Frauen und Mädchen verwenden.

Mag es Zufall sein oder nicht, daß der diesjährige Empfang auf den 4. Juli fällt, den Independence Day. Auch Sie verhelfen mit Ihrem ehrenamtlichen Engagement Frauen dazu, das hohe Gut der Unabhängigkeit zu bewahren oder wiederzuerlangen.

Unabhängig und selbstbestimmt leben zu dürfen ist auch in einem Ballungsraum wie Stuttgart nicht jedem geschenkt. Natürlich sind wir dankbar über das offene Miteinander der Kulturen und Generationen unserser Menschen aus über 170 Nationen in Stuttgart. Ich denke aber, daß wir gegenüber Ausgrenzung und Gewalt kein Auge zudrücken dürfen. Und deshalb ist Ihr Einsatz für die Benachteiligten so hoch zu schätzen.

In Zeiten großer Umbrüche und Krisen ist bürgerschaftliches Engagement, wie Sie es ausüben, wichtiger denn je; es ist Zeichen dafür, daß jemandem die Schicksale der anderen zu Herzen gehen. Es ist ein Zeichen gelebter Solidarität und deswegen Eckpfeiler unserer Gesellschaft.

Immer mehr Menschen, und dankenswerter Weise auch Unternehmen, entdecken für sich, daß sich bürgerschaftliches Engagement lohnt. Es lohnt sich nicht nur für die Gesellschaft, es lohnt sich auch für sie selbst. Freiwillig Engagierte erfahren in ihrem Tun Selbstbestätigung, soziale Nähe und Anerkennung.

Gradmesser für ein gutes soziales Miteinander ist die Quote der ehrenamtlich Engagierten und die Zahl der Stiftungen. Da haben wir in Stuttgart einen reichen Schatz: weit über 100.000 Menschen – mehr als ein Fünftel der erwachsenen Bevölkerung – betätigen sich in Stuttgart in einem Ehrenamt, geben unserer Stadt ein lebendiges, menschliches Antlitz. Noch einmal so viele Menschen sind prinzipiell zu einem freiwilligen Engagement bereit. Um sie zu gewinnen, haben wir eine eigene Stabsstelle Bürgerengagement, eine Freiwilligenagentur und eine Akademie für ehrenamtliche Weiterbildung gegründet. Und eine Bürgerstiftung, die Geld sammelt.

Dem Gemeinderat sind die Probleme bewußt. Einerseits steigt die Zahl hilfsbedürftiger Frauen und Mädchen, andererseits stagniert die Zahl der Betreuerinnen in den Stuttgarter Frauenhäusern. In den entsprechenden Gremien werden wir deshalb nach Lösungsansätzen suchen. Klar ist: Alleine kann die öffentliche Hand den Bedarf an Betreuung diskriminierter Frauen nicht schultern.

Ich freue mich deswegen umso mehr, daß Sie als International Women’s Club benachteiligte Frauen unterstützen und ihnen neuen Raum zum Leben verschaffen. Schließlich steht hinter Ihrer Arbeit ein wichtiges Thema, das zwar in aller Munde ist, aber auch praktiziert werden muß: Gleichberechtigung.

In Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes heißt es: “Männer und Frauen sind gleichberechtigt.” Die Realität spricht leider häufig andere Bände. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist nicht nur in der modernen Arbeitswelt selten anzutreffen. Wir erleben in deutschen und nicht-deutschen Familien, daß Frauen Opfer von Gewalt werden, gegen die sie sich nur schwerlich wehren können. Umso wichtiger ist es, wenn aktive Bürgerinnen wie Sie selbst auf diesem Feld Initiative ergreifen.

Der Stuttgarter Ehrenbürger und ehemalige Bundespräsident Theodor Heuss drückt dies wie folgt aus: “Was einer für sich selbst tut, mag viel zählen. Jedoch mehr zählt, was einer für die anderen getan hat. Die Sorge und Hilfe für andere Menschen ist das wertvollste Kapital im Haushalt der Menschheit. Und solange es noch Leute gibt, die freiwillig bereit sind, für andere da zu sein, ist es um diese Welt nicht allzu schlimm bestellt.”

Hoffen wir, daß Sie heute mit dem Erlös Ihrer Veranstaltung zufrieden sein können. Bleiben Sie auch in Zukunft so couragierte Kämpferinnen für Gleichberechtigung und seien Sie uns ein Vorbild für solidarisches Handeln!

Ihnen alles Gute und viel Erfolg.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend!